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Geschichte
Buch zur Geschichte: Schaffhauser Segelflieger
Die Segelfluggruppe Schaffhausen und ihr Flugplatz Schmerlat /
Neunkirch
Zwischen Neunkirch und Löhningen, in den „Stockegerten“,
wie der alte Flurname heisst, steht, mitten im Klettgau und etwas
erhöht, ein kleines Stück Wald. An dessen Nordrand, von
Natur aus ziemlich eben und hindernisfrei gestaltet, liegt der „Schmerlat“,
der einzige Flugplatz im Kanton Schaffhausen.
Nach fünf Jahren des Suchens nach einem für den Segelflugsport
geeigneten Gelände und unbefriedigenden Versuchen auf dem Griesbach
in Schaffhausen, dem Kapf oberhalb Thayngen und auf dem Hallauerberg,
entdeckten die Mitglieder der im Jahr 1933 gegründeten Segelfluggruppe
Schaffhausen (SGS) auf dem „Schmerlat“ ihre neue und
bleibende Heimat.
Am 20. Juni 1937 wurde der erste Windenstart geprobt und im September
des gleichen Jahres veranstaltete die SGS auf dem neu erschlossenen
Fluggelände einen Werbeflugtag, dem seitens der Bevölkerung
grosse Beachtung geschenkt wurde. Die Bedingungen auf dem Schmerlat
waren derart überzeugend, dass bereits im Jahr 1938 in Fronarbeit
ein Flugzeug-Hangar mit Aufenthaltsraum gebaut wurde. Ein mutiger
Entschluss, wenn man bedenkt, dass die SGS zu jenem Zeitpunkt noch
keinen Quadratmeter Land ihr Eigen nennen konnte.
Die Segelfluggruppe Schaffhausen, und mit ihr der Flugplatz, gediehen
in der Folge prächtig. Dank Optimismus, Weitsicht und zähem
Einsatz ihrer Mitglieder, war es im Laufe der vergangenen 60 Jahre
möglich, Stück um Stück Land zu erwerben und damit
die Zukunft der SGS und diejenige des nördlichsten Flugplatzes
der Schweiz abzusichern. Der Schmerlat gilt heute als eines der
idealst gelegenen Segelfluggelände in der Schweiz.
Die SGS, als Eigentümerin und Halterin dieses Flugplatzes,
darf mit Recht stolz sein auf ihre Entwicklung. Am 1. Mai 1933 von
einer Handvoll junger, flugbegeisterter Idealisten gegründet,
gerade genügend, um alle Vorstandsämter zu besetzen und
bereit, ihre ganze Freizeit in den Bau eines Schulflugzeuges zu
investieren, entstand über die Jahre und Jahrzehnte ein Verein
von 130 Aktivmitgliedern. In der Region verwurzelt und ideell mitgetragen
von über 600 Passivmitgliedern, verfügt die Gruppe heute
über zwei grosse Hangars zur Einstellung ihrer Flugzeuge, einen
geräumigen Aufenthaltsraum sowie einen Kiosk mit Gartenwirtschaft,
der sich als beliebtes Ausflugsziel bei der Bevölkerung etabliert
hat.
Das Flugmaterial hat seit der Gründerzeit die wohl grösste
Veränderung erfahren. Blättert man in alten Fotoalben,
so findet man darin unförmige, drahtverspannte, offene Holzgerüste
mit aufgesetzten Flügeln und kann kaum glauben, dass solche
Konstruktionen überhaupt geflogen sind. Sie sind geflogen,
wenn auch jeweils nur für kurze Zeit, doch immerhin hoben sie
ab. Die Distanzen wurden noch in Metern gemessen, die Flugzeiten
in Sekunden. Entsprechend waren auch die Leistungsdaten der Flugzeuge,
so entsprach der Gleitwinkel eines „Zöglings“,
des zu jener Zeit meistverwendeten Schulflugzeuges, einem Verhältnis
von 1:9, d.h. mit einem Meter Höhe konnte man etwa neun Meter
weit gleiten.
Heute besitzt die SGS einen modernen Flugzeugpark, bestehend aus
7 Einsitzern, 3 Doppelsitzern, 2 vierplätzigen Schleppflugzeugen
und dem zweisitzigen PIPER HB-OIO, ein Motorflugzeug-Oldtimer mit
Baujahr 1944, der seit 1946 auf dem Schmerlat geflogen wird und
zehntausende von Segelflugzeug-Schlepps und hunderte von Passagierflügen
absolviert hat. Etwa 20 weitere Segelflugzeuge befinden sich in
privatem Besitz von SGS-Mitgliedern.
An den heute verwendeten Hochleistungs-Segelflugzeugen sucht man
vergeblich nach Spanndrähten und unförmigen Holzgerüsten.
Die schlanken, weissen Vögel sind Inbegriff aerodynamisch hochentwickelter
Spitzentechnologie. Aus Kunststoff in Glas- oder Kohlefaserverbundbauweise
hergestellt, weist der modernste Doppelsitzer der SGS eine Spannweite
von 25,5 m und einen Gleitwinkel von nahezu 1:60 auf. Zahlen, von
denen man vor wenigen Jahren noch nicht zu träumen wagte.
Entsprechend haben sich die Flugleistungen der SGS-Mitglieder entwickelt.
Absolvierte man früher in der Regel seine Flüge über
dem Randen und war stolz darauf, zum Abschluss den Flugplatz wieder
„getroffen“ zu haben, so tummeln sich die heutigen,
fortgeschrittenen Piloten vorwiegend über dem Schwarzwald und
über der Schwäbischen Alb. Strecken-Segelflüge von
300 bis 500 km sind keine Seltenheit mehr, und die grösste,
motorlos geflogene Strecke ab Flugplatz Schmerlat liegt bei 736
km. Dank der hervorragenden Leistungsdaten der Segelflugzeuge und
der dadurch möglichen Distanzen, werden heute die Strecken
vorwiegend als Dreieck- oder Umkehrflüge geflogen, d.h. man
versucht, am Abend wieder zurück auf dem Schmerlat zu sein.
Der Beweis, dass die Strecke auch tatsächlich erfüllt
wurde, wird mittels Fotodokumentation oder neuerdings mittels GPS-Logger,
einem Gerät, das über Satelliten-Navigation funktioniert
und den ganzen Flug aufzeichnet, erbracht. Die entferntesten Landeorte
vom Schaffhauser Flugplatz aus liegen im Norden auf der Wasserkuppe
in der Rhön (östlich Fulda) und im Süden in Puimoisson
in der Haute-Provence. Flüge und Erlebnisse, die den Piloten
unvergesslich bleiben.
Zur Bildung ihres Nachwuchses betreibt die Segelfluggruppe Schaffhausen
eine eigene Segelflugschule. Überwacht durch das Bundesamt
für Zivilluftfahrt und geführt durch einen Cheffluglehrer,
stehen der Schule ca. 12 ausgebildete, erfahrene Segelfluglehrer
zur Verfügung, die, im Wochenendbetrieb, den Flugschülern
aus unserer Region eine gut fundierte Ausbildung zum Segelflieger
ermöglichen. Mitte August beginnt jeweils ein neuer Lehrgang.
Interessenten sind jederzeit willkommen.
Richard Schneider
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